Neue Art beschrieben: Heros liberifer (Staeck & Schindler, 2015)

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Neue Art beschrieben: Heros liberifer (Staeck & Schindler, 2015)

Beitrag_liberifer1994 publizierte Stawikowski in einem 14-zeiligen Beitrag in der DATZ folgendes:„[…] Umso überraschter war ich, als sich eine aus dem Einzugsgebiet des Rio Orinoco (Venezuela) importierte Heros-Art, bei der es sich, wie mir S.O. Kullander inzwischen bestätigte, um den „richtigen“ Heros severus Heckel, 1840 handelt, als larvophiler Maulbrüter mit Elternfamilie entpuppte […]“. Der wissenschaftliche Hintergrund und die Zitierfähigkeit dieser Formulierung im betreffenden Artikel,  ist allerdings recht dürftig. Es geht daraus nicht hervor, ob überhaupt eine physische Begutachtung stattfand und mit welchen Methoden und Argumenten Kullander eine Zuordnung zu H. severus traf. Auch wenn die Identifizierung im Jahr 1994 durch eine schnell gestrickte Meldung in einer Aquarienzeitschrift sicher nicht als wissenschaftliche Publikation gedacht war, muss sie nun als Beleg für die wissenschaftliche Korrektheit eines durchaus nachvollziehbaren Fehlers dienen. Hätte Stawikowski vorausgeahnt, welche Bedeutung seinen damaligen Zeilen 20 Jahre später zugemessen wird – er hätte sicherlich ein paar Worte mehr zur Rolle Kullanders gefunden und hätte ein formgerechtes Zitat daraus gemacht. Die Frage ob der maulbrütende Augenfleckbuntbarsch tatsächlich Heros severus ist wurde seitdem nicht mehr diskutiert. Aufgrund des Artikels „Eine Frage Herr Heckel, wer ist denn ihr Heros severus?“ der in  den DCG Informationen erschien ist, wurde das Thema wieder aktuell.(Dittrich, 2014). Allerdings ist Dittrichs Aufsatz nicht der erste der sich mit der Identität von Heros severus beschäftigt. In einer Dissertation aus dem Jahre 2008 diskutieren die Autoren dieses Thema und bezeichnen den maulbrütenden Heros als unbeschriebene Art. (Graça et al, 2008). Wenngleich diese Dissertation keine wissenschaftliche Publikation darstellt, belegt sie doch dass die Frage Dittrichs nicht unbegründet war! Staeck und Schindler haben sich möglicherweise auch durch den in den DCG Informationen erschienen Artikel dazu entschlossen, sich dieser Systematik anzunehmen und beschrieben eine neue Heros– Art und gaben ihr den Namen „Heros liberifer“ der Artenname liberifer setzt sich aus den lateinischen Wörtern liberi (= Kinder) und ferre (= tragen) zusammen und bezieht sich auf das Fortpflanzungsverhalten dieser Art. Mit der neu beschrieben Art, werden aktuell fünf gültige Taxa in der Gattung Heros geführt: Heros severus, Heros efasciatus, Heros spurius (Heckel, 1840), Heros notatus(Jardine, 1843) und Heros liberifer (Staeck & Schindler, 2015). Interessanterweise kommen Heros liberifer und Heros severus syntop miteinander vor. Staeck erwähnt als Erster dass die beiden Arten syntop vorkommen – allerdings mit der zum damaligen Zeitpunkt gängigen Meinung dass es sich beim maulbrütenden Heros um H. severus handelt und der echte H. severus als H. sp. „Uaupés“ (Römer,2006) bezeichnet wurde. Es bleibt also spannend bei den Augenfleckbuntbarschen – möglicherweise werden in Zukunft weitere Arten zur Gattung Heros hinzukommen.

DITTRICH, P. (2014a): Herr Heckel, eine Frage: Wer ist wirklich Ihr Heros severus? DCG-Informationen

45 (1): 21–24

GRAÇA, WEFERSON JuNIO DA (2008): Sistematica da tribo Heroini KULLANDER, 1998 (Perciformes, Cichlidae). Maringa, 217 pp.

HECKEL, J. J. (1840): Johann Natterer’s neue Flussfische Brasilien’s nach den Beobachtungen und Mittheilungen des Entdeckers beschrieben (Erste Abtheilung, Die Labroiden). Annalen des Wiener Museums der Naturgeschichte 2: 325–471.

JARDIN.W. (Hg.) (1843): The naturalist´s library (vol.38) Ichthyology Vol: V. Fishes of Guiana Part II. Edinburgh

RÖMER, U. (2006): Cichlid Atlas 2. Mergus Verlag.Melle, 1319 pp.

STAECK, W. (2009): Die Buntbarsche der Gattung Heros. Aquaristik Fachmagazin Nr. 206: 32–38; Nr. 207: 40–45

STAECK, W. & I. SCHINDLER (2015): Description of a new Heros species (Teleostei, Cichlidae) from the Rio Orinoco drainage and notes on Heros severus Heckel, 1840. Bull. Fish Biol. 15 (1/2): 121-136

STAWIKOWSKI, R. (1994): Maulbrütende Heros! DATZ 47: 212.

 

Vorkommen:  Rio Negro, Rio Atabapo,Rio Orinoko.

Weitere Fundorte: Aurauca-Zufluß Rio Cunaviche und der Rio Caura (Fernandez-Yépez 1969). Rio Vichada (Cala 1977). Rio Casiquire ( Köpke 1987) Hofer et al (1995) fingen H. severus im Cano el Toro in Venezuela Darüber hinaus wurde Heros severus am Rio Guárico einem nördlichen Zufluß des Rio Orinoko nachgewiesen.(Lenz 1994 &. Weidner 1995) Laut Stawikowski & Werner (1998) der bisher östlichsten bekannten Fundort dieser Art.

Natürlich ist es durchaus möglich das es weitere noch unbekannte Vorkommensgebiete gibt. Die Tiere, die bei mir schwimmen kommen aus dem Rio El Ňaure im Bundesstaat Apuré / Venezuela einem Flüsschen das in den Capanaparo entwässert welcher wiederrum in den Rio Orinoko mündet,sie sind Nachzuchten von Tieren die R. Rietsch 2008 importiert hat.

Der nach heutigem Stand der Wissenschaft  Heros liberifer ist die bisher einzige bekannte maulbrütende Art der Gattung Heros. Als Larvophiler Maulbrüter nimmt H. liberifer die Larven die er vorsichtig aus den Laichkörnern herauslutscht erst einige Tage nach dem Laichen ins Maul um die Larven zu beschützen. Der Zeitraum zwischen der Eiablage und der Maulbrutphase kann zwischen zwei und vier Tagen betragen. Diese variierende Zeitspanne hängt mit denen im Aquarium vorherrschenden Wasserparametern zusammen. Um H. severus erfolgreich vermehren zu können sollten man einige Dinge beachten. Zum einen ist H.liberifer und auch H.liberifer sp. „Rio Inirida“ ein typischer Weichwasserfisch welchen man dauerhaft auch nur in weichem Wasser pflegen sollte um Krankheiten vorzubeugen. Es scheint auch wichtig für die Entwicklung der Laichkörner zu sein. Bei optimalen Bedingungen (Siehe Abb.1) und erfolgreicher Maulbrutphase schwimmen die kleinen Heros nach etwa 7 Tagen frei. Sie zerren dann noch einige Tage von ihrem Dottersack. Ab und an lässt sich auch beobachten das sich die Jungen vom Hautsekret der Alttiere ernähren so wie es auch Symphysodon (Diskusfische) oder auch Uaru (Keilfleckbuntbarsche) machen. Wenn der Dottersack aufgebraucht ist lassen sich die Jungfische sofort mit frisch geschlüpften Artemianauplien füttern. Auch feinstes Staubfutter oder schon entkapusulierte Artemianauplien werden ohne Probleme angenommen.

Als vorteilhafte Wasserparameter haben sich folgende Werte erwiesen da sie denen in den natürlichen Lebensräumen sehr nahe kommen (natürlich gibt es auch dort Abweichungen):

 

 

Temperatur in °C

27 – 29 °C

 

pH-Wert

4 bis 6

 

°dGH

< 4

 

°KH

< 4 *

 

Leitfähigkeit in µS

< 250

 

Schadstoffbelastung

So gering wie möglich

 

Abb. 1, Empfohlene Wasserparameter im Aquarium.*Darf nicht zu weit abgesenkt werden da die Gefahr eines Säuresturzes besteht!

H.liberifer ist relativ leicht von anderen Vertretern der Gattung zu unterscheiden, nicht nur anhand äusser Merkmale wie der Kopfform und der Maulpartie sondern auch am Fortpflanzungsverhalten (s.o.).

Charakteristisch für H.liberifer sind die roten Punkte auf den Schuppen unterhalb der Seitenlinie. Diese Muster erstreckt sich auf jede zweite Schuppenreihe vom Bauch aus gesehen in Richtung Seitenlinie. Auf halbem Wege zwischen Bauchlinie und Seitenlinie scheint sich die Anzahl der roten Punkte zu halbieren, ab hier sieht es so aus als wäre nur noch auf jeder zweiten Schuppe ein roter Fleck. Dem ist aber nicht so, es ändert sich lediglich die Farbintensität! Ein weiteres Merkmal dieser Art ist ein kleiner schwarzer Fleck auf der Schwanzwurzel.

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